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Theodor Fontane: Frau Jenny Treibel

Theodor Fontane: Frau Jenny Treibel
Theodor Fontane: Frau Jenny Treibel

Vom Streben nach Höherem - Literatur im Gespräch

Der nächste Literaturgesprächskreis findet am Donnerstag, den 12. März ab 20:00 Uhr in den Räumen der Bücherei Niederbrechen statt. Als Nachlese zum Fontane-Jahr wird dessen zeitkritischer Roman „Frau Jenny Treibel“ besprochen. Theodor Fontane (1819-1898) war ein deutscher Schriftsteller, Journalist und Kritiker. Er gilt als bedeutender Vertreter des Realismus.

Im Zentrum des Romans stehen zwei Berliner Familien: Zum einen die großbürgerlichen Treibels – Kommerzienrat Treibel, seine Frau Jenny (geb. Bürstenbinder) sowie die Söhne Otto und Leopold, zum anderen Gymnasialprofessor Wilibald Schmidt und seine Tochter Corinna, die das Bildungsbürgertum repräsentieren. Die Verbindung zwischen den Familien entstand in Wilibalds und Jennys Jugend, als beide Familien Nachbarn waren. Als Student war Wilibald in Jenny verliebt und schrieb ihr Liebesgedichte, sie verlobten sich heimlich, Wilibald beeilte sich, sein Studium abzuschließen, um die Verlobung offiziell vollziehen zu können. Als es aber soweit war, warb der reiche Treibel um sie und sie gab Wilibald kurzerhand den Laufpass.  Sie spricht viel und gern über das "Höhere" und gibt allenthalben zu verstehen, dass sie „Besitz, Vermögen, Gold“ verachtet und ganz nach dem „Ideal“ lebt. 

Den diametralen Widerspruch zwischen ihren Bekenntnissen zum „Höheren“ und ihrem Handeln, den der Roman im weiteren aufdeckt, bemerkt sie selbst nicht. Sie hat nur ein Herz für das Ponderable, für Alles, was ins Gewicht fällt und Zins trägt. Diese Charakteristik bewahrheitet sich in der weiteren Handlung, in Jennys entschlossenem Widerstand gegen eine Verbindung ihres Sohnes Leopold mit Wilibald Schmidts Tochter Corinna. 

Wilibald sähe es am liebsten, wenn seine Tochter ihren Cousin Marcell heiraten würde, einen vielversprechenden angehenden Archäologen, der sie liebt und, sobald er das nötige Einkommen hat, heiraten möchte. Aber die intelligente und unabhängige Corinna hat andere Pläne. Sie möchte ausbrechen aus der eher bescheidenen Welt eines Gymnasialprofessorenhaushaltes und hat es sich in den Kopf gesetzt, Leopold Treibel zu heiraten, einen schwächlichen, unselbständigen und ganz von seiner Mutter beherrschten jungen Mann, der Corinna schon lange heimlich bewundert. Gesellschaftliches Ansehen und materieller Wohlstand erscheinen ihr als ausreichende Garantien für eine glückliche Zukunft. Sie wirft all ihren Charme und Esprit in die Waagschale, um Leopold vollends den Kopf zu verdrehen, und eine Abendgesellschaft und eine Landpartie später kommt es zur heimlichen Verlobung beider. 

Corinna hat ihre Rechnung aber ohne Jenny Treibel gemacht. Die ist außer sich, weil sie für ihren Sohn eine „standesgemäße“, d. h. reiche Partie wünscht. Sie lehnt Corinna nicht deshalb ab, weil sie aus Berechnung, nicht aus Liebe handelt, sondern weil sie nichts in die Ehe bringen würde. Sofort ergreift sie die Initiative, erscheint beim Professor und stellt Corinna in seinem Beisein zur Rede.

Leopold erweist sich in dieser Situation erneut als zu schwach, um sich gegen seine Mutter zu behaupten: Er beschränkt sich darauf, Corinna täglich kleine Briefchen zu schreiben, in denen er sogar von Flucht redet, lässt seinen Worten aber keine Taten folgen. Die beiden Väter verhalten sich in dieser angespannten Situation abwartend – der Kommerzienrat, weil er damit beschäftigt ist, seinen Wahlkampf zu organisieren, und der Professor, weil er darauf vertraut, dass Corinnas Vernunft und Ehrgefühl sich durchsetzen werden. Das geschieht auch: Mit der Hilfe von Schmidts Haushälterin Rosalie Schmolke wird Corinna sich schließlich der entwürdigenden Situation bewusst, löst die Verlobung und bittet ihren Cousin Marcell um Verzeihung. Marcell, der soeben eine Stelle als Gymnasial-Oberlehrer bekommen hat, macht ihr einen Antrag, und die Hochzeit beider sieht die Schmidts und die Treibels wieder versöhnt, denn außer Leopold folgen alle Treibels der Einladung zum Hochzeitsfest. 

Die Teilnehmer des Literaturgesprächskreises treffen sich ca. alle sechs bis sieben Wochen, um sich über das gelesene Werk auszutauschen, die Vorschläge stammen aus dem Kreis der Teilnehmer. Jeder, der für Literatur aufgeschlossen ist, ist als Bereicherung stets willkommen.

Von Jürgen Schühler

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