Kategorien &
Plattformen

Juli Zeh: Neujahr

Juli Zeh: Neujahr
Juli Zeh: Neujahr

Spätfolgen unbewältigter Kindheitserlebnisse - Literatur im Gespräch

Nach einer längeren, Corona bedingten Pause trifft sich der Literaturgesprächskreis am Donnerstag, den 9. Juli ab 20:00 Uhr in den Räumen der Bücherei Niederbrechen zum Austausch über Juli Zehs Roman „Neujahr“. 

Lanzarote, am Neujahrsmorgen: Henning sitzt auf dem Fahrrad und will den Steilaufstieg nach Femés bezwingen. Seine Ausrüstung ist miserabel, das Rad zu schwer, Proviant nicht vorhanden. Während er gegen Wind und Steigung kämpft, lässt er seine Lebenssituation Revue passsieren.

Eigentlich ist alles in bester Ordnung. Er hat zwei gesunde Kinder und einen passablen Job. Mit seiner Frau Theresa praktiziert er ein modernes, aufgeklärtes Familienmodell, bei dem sich die Eheleute in gleichem Maße um die Familie kümmern. Aber Henning geht es schlecht. Er lebt in einem Zustand permanenter Überforderung. Familienernährer, Ehemann, Vater – in keiner Rolle findet er sich wieder. Seit Geburt seiner Tochter leidet er unter Angstzuständen und Panikattacken, die ihn regelmäßig heimsuchen wie ein Dämon. 

Als Henning schließlich völlig erschöpft den Pass erreicht, trifft ihn die Erkenntnis wie ein Schlag: Er war als Kind schon einmal hier in Femés. Damals hatte sich etwas Schreckliches zugetragen - etwas so Schreckliches, dass er es bis heute verdrängt hat, weggesperrt irgendwo in den Tiefen seines Wesens. Jetzt aber stürzen die Erinnerungen auf ihn ein, und er begreift: Was seinerzeit geschah, verfolgt ihn bis heute.

Juli Zeh wurde 1974 in Bonn geboren. Sie studierte Jurain Passau und Leipzig, ergänzend am Deutschen Literaturinstitut Leipzig Europa- und Völkerrecht. Es folgten Aufenthalte in New York und Krakau. Juli Zeh lebt in Leipzig. Sie gehört zu den wenigen politisch engagierten Autorinnen ihrer Generation. 

Die Teilnehmer des Literaturgesprächskreises treffen sich ca. alle sechs bis sieben Wochen, um sich über das gelesene Werk auszutauschen, die Vorschläge stammen aus dem Kreis der Teilnehmer. Jeder, der für Literatur aufgeschlossen ist, ist als Bereicherung stets willkommen.